Filter in der Wohnraumlüftung – fünf Fragen an den Experten

  • Twitter
  • Facebook
  • Pinterest
  • Linkedin

Insekten, Pollen, Feinstaub, Bakterien – es schwirrt allerhand durch die Luft. In einer Wohnraumlüftung sorgen Filter dafür, dass diese unerwünschten „Gäste“ nicht mit der Frischluft in die Wohnung gelangen. Doch wie genau funktioniert das und was können diese Filter wirklich? Dazu habe ich unseren Produktmanager für Wohnraumlüftungen bei Kermi, Thomas Zacher, ein paar Fragen gestellt.

Herr Zacher, können die Filter einer Wohnraumlüftung die Luftqualität wirklich verbessern?

Ja das können Sie, denn durch die Filter wird eine Vielzahl von Schmutz und Verunreinigungen vom Wohnraum fern gehalten. Filter vermeiden auf der einen Seite Verschmutzungen innerhalb des Rohrsystems der Lüftungsanlage. Deshalb halten sie groben Schmutz wie zum Beispiel Insekten, Blätter, Sand oder Haare draußen. Auf der anderen Seite filtern sie die Luft aber auch von Partikeln, die für das Auge nicht sichtbar sind – z.B. Pollen, Schimmelsporen, Bakterien, Viren sowie Feinstaub und Ruß, der zum Beispiel mit Autoabgasen in die Luft geblasen wird. So bleibt schlechte Großstadtluft draußen und Allergiker können aufatmen. Dadurch hast du eine bessere Luftqualität. Aber nicht jeder Filter kann alles filtern! Die Filter sind mit unterschiedlichen Abscheidegraden gegenüber Partikelgrößen erhältlich.

Woher erkenne ich, welche Partikel mein Filter in der Lüftungsanlage aus der Luft filtert?

Dafür gibt es Normen und damit einhergehende Bezeichnungen, die die Filter aller Hersteller vergleichbar machen. Die seit Dezember 2016 geltende ISO 16890 unterscheidet die Filtergruppen: ISO ePM1, ISO ePM2,5, ISO ePM10 sowie Grobstaub mit ISO coarse. Wenn man weiß, was hinter diesen kompliziert klingenden Bezeichnungen steckt, wird schnell klar, was der einzelne Filter tatsächlich herausfiltern kann. Die Zahl steht nämlich für die jeweilige Partikelgröße.

• PM1 bezeichnet Partikel, die <= 1 μm sind – wie zum Beispiel Viren und Ruß.
• PM 2,5 entspricht Partikeln <= 2,5 μm. Dazu gehören Bakterien oder Schimmelsporen.
• Unter die Kategorie PM 10 (Partikel <= 10 μm) fallen etwa Pollen oder Gesteinsstaub.

Wer also möglichst vielen, auch kleinsten Partikeln den Weg versperren möchte, sollte zunächst auf den „dichtesten“ Filter ePM1 setzen. Zusätzlich wird bei jeder Filtergruppe immer in Prozent angegeben, wie viele dieser Partikel gefiltert werden. ePM2,5 60% bedeutet beispielsweise, dass Partikel mit einer Größe von bis zu 2,5 μm mit einem Anteil von 60% gefiltert werden. Größere Partikel schaffen es natürlich ebenfalls nicht durch den Filter. Eine höhere Prozentzahl zeigt also an, dass weniger der Partikel in deine Wohnung kommen.

Filterklassifizierungen von kontrollierten Wohnraumlüftungen nach ISO 16890.

 

Was muss ich bei der Auswahl der Filterklasse für meine Wohnraumlüftung beachten?

Grundsätzlich gilt: Je dichter ein Filter ist, desto stärker müssen die Ventilatoren des Lüftungsgerätes arbeiten, um die Luft zu bewegen. Das bedeutet auch, dass mehr Energie benötigt wird. Deshalb muss man immer zwischen der Energieeffizienz der Wohnraumlüftung und der Filterleistung abwägen, um hier eine gute Balance zu finden. Die Filter unserer zentralen Wohnraumlüftungsgeräte sind beispielsweise in der Regel so ausgelegt, dass sie 70 Prozent der kleinsten Partikelgröße (PM1) in der Außenluft filtern können – bei einer ausgewiesenen Effizienzklasse A+/A.

Wenn ich die richtige Filterklasse gefunden habe, wie sieht es im täglichen Betrieb aus: Warum und wann muss ich meinen Filter wechseln?

Im Laufe der Zeit sammeln sich im Filter die herausgefilterten Partikel und verstopfen ihn. Die Ventilatoren müssen mehr arbeiten. Dadurch wird die Lüftungsanlage lauter und benötigt mehr elektrische Energie. Um das zu vermeiden und um konstant gute Luftqualität zu haben, sollte der Filter regelmäßig gewechselt werden – etwa alle sechs Monate. Den genauen Zeitpunkt zeigt bei unseren zentralen x-well Geräten die Regelung an. Die Intervalle dafür lassen sich individuell einstellen. Denn wie häufig der Filter gewechselt werden muss, hängt von der Wohngegend ab. Unmittelbar an einer viel befahrenen Hauptstraße oder neben einem Weizenfeld, auf dem gedroschen wird, sollte der Filter lieber dreimal pro Jahr als zweimal getauscht werden. Das Feld ist für den Filter sogar schlimmer, da die größeren Partikel ihn komplett verstopfen können.

Der Filterwechsel ist übrigens nicht so aufwendig, wie laut einer Forsa-Umfrage viele befürchten. Man kann ihn einfach selbst durchführen. Auch viele andere Bedenken hinsichtlich einer Wohnraumlüftung sind völlig unbegründet. Einen Fachmann braucht man nur circa alle zwei Jahre zur Wartung der Lüftungsanlage.

Noch eine abschließende Frage: Welche Herausforderungen muss die Filtertechnik in Zukunft meistern?

Da gibt es einige. Gerade in den Ballungsräumen belasten Schadstoffe wie Feinstaub und Ruß die Luft immer stärker, so dass die Anforderungen an die Filter steigen. Immer dichtere Filter werden gefragt sein. Gleichzeitig sollten die Lüftungsanlagen im Hinblick auf den Umweltschutz so wenig Energie wie möglich aufnehmen und der Filter recyclingfähig sein. Alles sinnvoll unter einen Hut zu bekommen, wird die entscheidende Herausforderung der Filtertechnik sein. Denn wie schon erwähnt, wird bei dichteren Filtern mehr Strom benötigt.

Wenn du jetzt auch von immer frischer und gefilterter Luft profitieren willst – hier erfährst du alles Wichtige über den Einbau einer Lüftungsanlage und weitere Vorteile der kontrollierten Wohnraumlüftung.

Auch eine staatliche Förderung willst du dir nicht entgehen lassen? Dann informiere dich über die KfW 40 Plus-Förderung in unserem Blog.


Interviewpartner – Thomas Zacher

Ich bin Produktmanager für kontrollierte Wohnraumlüftungen und  ich befasse mich gerne mit Themen, die dein Raumklima im Eigenheim noch besser machen.

Antwort hinterlassen

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
* Pflichtfelder