Heiztechnik im Fokus: Welche Wärmepumpe passt zu mir?

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Das Jahr 2016 war ein Rekordjahr, was den Verkauf von Wärmepumpen in Deutschland betrifft: Laut dem Bundesverband Wärmepumpe wurden mehr davon abgesetzt als je zuvor. Doch Wärmepumpe ist nicht gleich Wärmepumpe – das haben wir im letzten Beitrag Wärmepumpenvielfalt – so behält man den Durchblick bereits erfahren. Haben sich die Hausbesitzer für regenerative Wärme entschieden, haben sie immer noch die Qual der Wahl: Welche Wärmequelle ist nun die Richtige? Unser Experte Günther Kasper erklärt uns im dritten und letzten Teil unserer Beitragsserie „Heiztechnik im Fokus“, welche Kriterien entscheidend sind.

Serie „Heiztechnik im Fokus“ Teil 3

Herr Kasper, angenommen ich möchte mir eine Wärmepumpe anschaffen: Gibt es Einschränkungen?

Günther Kasper: Ja! Für jeden Wärmepumpentyp gibt es Aspekte, die man berücksichtigen muss. Fangen wir einmal bei der Sole/Wasser-Wärmepumpe mit Sonde und der Wasser/Wasser-Wärmepumpe an. Bei beiden Systemen müssen die geologischen Voraussetzungen des Grundstücks geprüft werden. So muss eine geothermische Standortbewertung des eigenen Grundstückes durch ein zertifiziertes Bohrunternehmen vorgenommen werden: Dieses prüft und holt die Genehmigungen bei der Wasserbehörde und der Bergbaubehörde ein. Wenn der eigene Wohnsitz z. B. in einem Wasserschutzgebiet ist, darf weder eine Sole/Wasser-Wärmepumpe mit Sonde noch eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe installiert werden. Bei Bohrungen, die über 100 Meter in die Tiefe reichen, kann auch das Landesbergamt den Planenden einen Strich durch die Rechnung machen, da solche tiefen Bohrungen genehmigungspflichtig sind. Der Traum von der eigenen Wärmepumpe ist hiermit aber noch lange nicht gestorben. Eine Sole/Wasser-Wärmepumpe – mit Flächenkollektor ohne Sonde – benötigt nämlich keine Genehmigungen, muss aber dennoch beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt angezeigt werden. Wichtig bei diesem System ist vor allem die Größe und Beschaffenheit des Grundstücks, denn unversiegelte Freiflächen ohne Gefälle und ein homogener Boden sind notwendig. Bei der Luft/Wasser-Wärmepumpe wiederum gibt es zwei mögliche Installationsvarianten: die Aufstellung im Eigenheim oder draußen im Garten. Hier entscheidet dann der vorhandene Platz, welche Variante passender ist. Liefert Euer Grundstück keine Einschränkungen bei der Wärmepumpenwahl, so ist der eigene Heizenergiebedarf entscheidend.

Apropos Energiebedarf: Was muss ich zum Thema Heizlast wissen?

Günther Kasper: Vor der Festlegung auf ein Wärmepumpensystem empfiehlt sich die eigene Heizlast ¬– also den Gesamtwärmebedarf inklusive Warmwasser-Bereitung  – anzuschauen. Als Indikator zur Berechnung der zukünftigen Heizlast bei Bestandsgebäuden kann der Verbrauch der letzten drei Jahre zurate gezogen werden. Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren Aspekt, der den zukünftigen Energiebedarf beeinflusst: Die Rede ist vom Gebäude selbst. Bei einem sehr gut gedämmten Neubau ist der Energiebedarf geringer als bei einem Bestandsgebäude. So kann eine Wärmepumpe bei einem Neubau den kompletten Warmwasser- und Heizenergiebedarf decken (monovalent). Bei einem Bestandsgebäude wird die Wärmepumpe oft durch ein zusätzliches Heizelement – wie eine elektrische Direktheizung mittels E-Stab – unterstützt (bivalent).

Für wen lohnt sich eine Sole/Wasser- oder Wasser/Wasser-Wärmepumpe?

Günther Kasper: Salopp gesagt: für den Häuslebauer eines Neubaus sowie für all jene, denen ein hoher Grad an Umweltfreundlichkeit wichtig ist. Aber auch hier ist eine Pauschalaussage schwierig, also der Reihe nach: Wärmepumpen zeichnen sich durch ihre niedrigen Betriebskosten aus – und das bei gleichzeitig vollständiger Deckung des Wärme- und Warmwasserbedarfs eines Haushaltes. Das Maximum an Effizienz wird bei der Sole/Wasser-Wärmepumpe erreicht. Im Vergleich dazu hat die Wasser/Wasser-Wärmepumpe jedoch den Vorteil, dass sie auch in Neubauten ¬– sofern diese gut gedämmt sind – sehr gut zum Einsatz kommt. Der Unterschied gegenüber der ebenfalls häufig im Bestand verbauten Luft/Wasser-Wärmepumpe ist, dass sie bei einer höheren Leistung geringere Betriebskosten aufweist. Welche Wärmepumpenart installiert werden kann, entscheidet wieder der Fachmann, denn er prüft zum Beispiel, ob die Größe der vorhandenen Heizfläche und die Vorlauftemperatur der Pumpe sich mit dem Gebäude vereinen lassen. Auch die Beschaffenheit des Grundstückes spielt hier eine Rolle. Wenn die Wärmepumpe als Baustein des Systems x-optimiert genutzt wird, ergibt sich darüber hinaus – durch die systemische Effizienz – ein Einsparpotenzial von 34 Prozent.

Entscheidend ist für viele natürlich die Frage nach den Kosten. Aber wie unterscheiden sich die Wärmepumpensysteme diesbezüglich eigentlich?

Günther Kasper: Luft/Wasser-Wärmepumpen sind vergleichsweise günstige Wärmepumpensysteme, da für die Wärmequelle „Luft“ keine Erschließungskosten  anfallen. Ihre erdgekoppelten Pendants, wie die Sole/Wasser-Wärmepumpe und die Waser/Wasser-Wärmepumpe, sind aufwendiger bei der Installation. Es fallen höhere Kosten an, aber auch die Effizienz ist bei den erdgekoppelten Pumpen höher. Hier heißt es für Bauherren und Eigenheimbesitzer abwägen, welches System am besten zu den eigenen Bedürfnissen und zum eigenen Geldbeutel passt. Grundsätzlich sind jedoch alle Kosten und Preise nicht endgültig, denn für Wärmepumpen gibt es Zuschüsse vom Staat.

Welche unterschiedlichen staatlichen Zuschüsse gibt es denn für Wärmepumpensysteme?

Günther Kasper: Zum einen gibt es unterschiedliche Fördertöpfe und Zuschusssysteme, zum anderen variiert auch, je nach Wärmepumpensystem, die Höhe der Förderung. Eine Förderung gibt es zum Beispiel in Form eines Zuschusses vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Wer eine x-change Wärmepumpe von Kermi installieren lässt, kann derzeit bis zu 9.300 Euro Investitionszuschuss vom BAFA erhalten. Auch die KfW-Bank bietet verschiedene Programme zur Förderung von Wärmepumpen in Neu- und Altbau an. Die höchste Förderung wird für den Einbau einer Sole/Wasser-Wärmepumpe vergeben, die vergleichsweise geringste Förderung erhält man für die Luft/Wasser-Wärmepumpe. Bei all den unterschiedlichen Kriterien für eine Förderung verlieren Eigenheimbesitzer und Bauherren schnell den Überblick. Der kostenlose Rechner für Fördersummen des Bundesverbandes Wärmepumpe schafft hierbei Abhilfe.

Kleiner Tipp: Bei der Suche nach den optimalen Förderungsmöglichkeiten lohnt es sich aber übrigens auch, Ausschau nach Maßnahmen auf regionaler oder Länderebene zu halten. So bietet zum Beispiel das Bundesland Bayern mit dem „10.000-Häuser-Programm“ für private Hausbesitzer Unterstützung bei energetischen Maßnahmen im Gebäude.

Ich hoffe, ich konnte im Rahmen meiner Beitragsserie, Bauherren und Eigenheimbesitzer ein paar wertvolle Ratschläge auf den Weg geben. Wenn Ihr noch Fragen habt, könnt ihr gerne einen Kommentar unter dem Beitrag hinterlassen.
Vielen Dank Herr Kasper!

 

Serie „Heiztechnik im Fokus“ Teil 1: Wie funktioniert eine Wärmepumpe?

Serie „Heiztechnik im Fokus“ Teil 2: Wärmepumpenvielfalt: So behält man den Durchblick


Interviewpartner – Günther Kasper

Ich bin Fachgebietsleiter Produktmanagement Wärmepumpensysteme und  ich befasse mich gerne mit Themen rund um Raumklima in Deinem Eigenheim.

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